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Ist mein Vogel zahm – oder krank?

Ich denke immer, dass man doch intuitiv spürt, wenn es dem eigenen Tier oder sogar einem Wildtier schlecht geht. Dem ist aber leider oft nicht so. Viele Vogelhalter posten in den einschlägigen Foren oder sozialen Netzwerken Fotos oder Videos ihrer „ach so zahmen“ Vögel.

Da sind Wellensittiche, Nymphensittiche, Graupapageien und Kakadus zu sehen, die mit geschlossenen Augen und aufgeplustert dasitzen. Und wenn ich diese sehe, denke ich leider sehr häufig, dass man doch sogar auf dem Foto sieht, dass der Wellensittich darauf nicht zahm und zutraulich ist, sondern schwerstkrank und vollkommen körperlich erschöpft. Viel zu erschöpft, um wegzufliegen, oder sich gegen gutgemeinte Liebkosungen durch den Besitzer zu wehren.

Wenige Tage später dann der nächste Post: Mein „Piepsi“ ist heute plötzlich und unerwartet gestorben, bin am Boden zerstört. (Trauriges Emoji) Morgens war er noch topfit. Ich denke mir dann, das war doch der der auf den Fotos vor 3 Tagen schon so schwer krank aussah. Jetzt könnte man denken, warum ich diese Fotos nicht entsprechend kommentiere. Das tue ich. Aber nicht immer, dann hätte ich viel zu tun. Und das Schlimme, oft sind unter solchen Fotos schon Kommentare. Lieb gemeinte, vorsichtige Kommentare. Diese werden dann ignoriert, oder abgetan. Keiner möchte sein ach so süßes Kraul-Bild negativ beleuchtet sehen. Was aber schon ganz schön befremdlich ist.

Was mich ebenfalls befremdet sind Posts mit Tieren, die der Besitzer bereits als krank identifiziert hat. Und dann wird mal in die Runde der Laien gefragt, was das Tier wohl hat. Und dann kommen die ersten Antworten, bitte geh zum Tierarzt. Die ersten Ideen kommen, der Vogel hat Schnupfen, nein der Wellensittich hat Megabakterien, es ist sicher ein Tumor, Legenot, Gicht und so weiter. Mittlerweile sind 4 Stunden vergangen und bisher hat man vom Poststeller nichts mehr gehört. Es wird nachgefragt, wie geht es dem Nymphensittich, Kanarienvogel what ever denn jetzt eigentlich. Abends meldet sich der Poststeller, er war mit Freunden unterwegs und kommt erst jetzt zum lesen. Danke für die zahlreichen Ideen. Nein beim Tierarzt war er bisher nicht, keine Zeit und so, aber Freitag vielleicht, wenn es „Kiki“ immer noch schlecht gehen sollte. Es kommen die ersten bösen „Emojis“ und Kommentare, warum das Tier nicht zum Tierarzt gebracht wird. Eventuell wird noch einmal geantwortet, dass der ja auch weit weg ist, man kein Auto hat und eben auch wenig Zeit und eigentlich auch kein Geld. Ganz ehrlich, wenn Zeit für einen Post da ist, ist auch Zeit da für einen Tierarztbesuch. Und es ist ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, wenn man einem Tier in der Obhut keine tierärztliche Hilfe angedeihen lässt, wenn es diese braucht.

Deshalb hier nun einige Tipps für unerfahrene Vogelhalter, die Hilfestellung sein können, wann man am besten einen vogelkundigen Tierarzt aufsucht.

Der Vogel schläft auf einmal mehr, sitzt aufgeplustert und lässt sich plötzlich mit der Hand berühren obwohl er sonst immer weggeflogen ist

  • Er frisst kaum noch, oder auffallend viel
  • Er trinkt sehr viel
  • Er blutet
  • Er sitzt viel auf dem Boden oder Käfigboden und lässt sich von dort mit der Hand aufnehmen
  • Er hat Mühe schnell wegzufliegen oder stürzt beim Fliegen ab
  • Er atmet schwer, der Schwanz wippt dabei stark, er hat komische Atemgeräusche
  • Er kuschelt sich unter die Haare seines Besitzers, oder in dessen Hand – obwohl er dies nie zuvor tat

Er hat Durchfall, Erbrechen, niest, hustet oder wirkt allgemein apathischKein Vogel wird von einen auf den anderen Tag zahm. Verhält sich Ihr Welli, Nymphi oder Graupapagei komisch oder anders, suchen Sie bitte umgehend einen vogelkundigen Tierarzt auf. Vögel haben Krankheiten nicht so viel entgegenzusetzen. Sie sterben schneller, wenn sie unbehandelt bleiben. Und bevor man ein Foto postet.

Wenn Sie Hilfe brauchen und kein vogelkundiger Tierarzt erreichbar ist, können Sie mir eine Email an info@martinasvogelperspektive.de schreiben. Ich biete tierärztliche, telefonische Fachberatungen an. Diese können natürlich nicht den Gang zum Tierarzt ersetzen, aber Zeiten überbrücken, bis man einen Termin hat.

Ihre Dr. Martina Schmoock