Was hat mein Vogel, wenn er sich selber die Federn ausrupft?

Rupfende Vögel kommen in meinem Praxisalltag häufig vor. Meist handelt es sich hierbei um Graupapageien oder Kakadus. Selten rupfen Amazonen oder Wellensittiche.

Die meisten Vogelbesitzer, die zu mir in die Praxis kommen,  sagen in den meisten Fällen zu mir „mein Vogel hat Milben, der kratzt sich immer“. Leider stimmt es so gut wie nie. Milben wären ein leicht so lösendes Problem.

Häufig liegt die Problematik bei dem vom Besitzer als Juckreiz oder Kratzen empfundenes verstärktes Putzen des Gefieders doch wesentlich tiefer.

Gerade junge Papageien, welche einzeln gehalten werden, neigen kurz vor oder bei Beginn der Geschlechtsreife dazu vermehrt ihr Gefieder zu pflegen. Im Schnitt sind die Tiere zwischen einem und drei Jahre alt. Hierbei kommt es auch dazu, das einzelne Federn herausgerissen werden. Bevorzugte Lokalisationen sind an der Brust, unter den Flügel und an den Innenschenkeln. Es gibt aber in den schlimmsten Fällen Vögel die fast nackt sind, bis auf Ihr Kopf. Und es kommt sogar vor, das ganze Teile der Brustmuskulatur mit dem Schnabel benagt und dabei zerstört werden.

Dieses Verhalten gilt als eine gefürchtete Verhaltensstörung und wird auch Automutilation genannt. Es gibt hierfür zahlreiche Ursachen. Die häufigste ist sicher die Einzelhaltung und zu starke Vermenschlichung des Vogels.748

Gerade Papageien und Kakadus schließen sich eng an einen Menschen an, welcher aber nicht den ganzen Tag bei dem Tier sein kann. Zudem bedient kein Mensch die normalen Bedürfnisse an Interaktion eines Papageien mit einem anderen Papageien. Ein weiterer großer Fehler ist es einen Vogel mit einer fremden Art zu vergesellschaften, zum Beispiel einen Kakadu mit einem Graupapageien. Aber auch eine Venezuela Amazone möchte nur mit einer Venezuela Amazone leben und nicht mit einer Blaustirnamazone. Sicher gibt es immer wieder Fälle, in denen es einigermaßen harmoniert. Ich sage immer ganz klar, dass kein Mensch mit einem Schimpansen leben möchte, nur weil er ihm irgendwie ähnlich ist.

Aber auch Fütterungsfehler, Mangelernährung und unzureichende Bewegung, sowie schlicht Langeweile begünstigen das Federrupfen.

Für einen Laien kann man diese Verhaltensstörung nur mit einer schweren seelischen Schädigung erklären. So ein Vogel ist ganz sicher nicht glücklich und definitiv schwer krank. Auch wenn er weiterhin niedlich auf der Schulter sitzt, spricht und gut frisst.

Ohne Frage können auch organische Ursachen hinter dem vermeintlichen Juckreiz stecken. Stark erhöhte Leberwerte und Nierenwerte können ebenfalls zu Hautveränderungen, Gefiederverfärbungen und vermehrtem Putzen führen.

Ein guter Tierarzt fragt Sie immer nach den Lebensumständen und wird Sie, auch wenn Sie es nicht hören wollen, umfassend über eine optimale Haltung aufklären. Sie werden dann von Ihrer vermeintlich guten Haltung zurücktreten müssen und überlegen müssen, was Sie optimieren sollten, damit es Ihrem Vogel wieder besser geht. Ihr Tierarzt wird außerdem ein Röntgenbild anfertigen und Blut abnehmen, um organische Ursachen auszuschließen oder zu bestätigen. Und natürlich wird er mittels einer Federprobe und seinem Mikroskop feststellen, ob es doch nur Milben sind.

Aber Bedenken Sie immer, NIEMAND ist gern alleine, ein so intelligentes und soziales Tier wie ein Papagei schon gar nicht.

One Response to Was hat mein Vogel, wenn er sich selber die Federn ausrupft?

  1. Karin sagt:

    Vielen dank für die Infos. Mein Vogel schupft sich leider auch an den Federn. 🙁

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