Wenn der eigene Vogel krank wird und zum Tierarzt muss

Ich habe ja jeden Tag mit Vogelpatienten in der Praxis zu tun und stehe auf der „anderen Seite vom Untersuchungstisch“. Dadurch habe ich natürlich einen anderen Blick auf meine kranken Vogelpatienten und auf deren Besitzer, also Euch.
Da immer wieder ähnliche Sorgen und Probleme auftreten, die den Vogelbesitzer ängstigen und mir leider meine Arbeit erschweren, möchte ich Euch hiermit ein paar ganz wichtige und notwendige Punkte die vor und während dem Tierarztbesuch entscheidend hiermit an die Hand geben.

Cato 2 028Warum ein vogelkundiger Tierarzt?
Der Vogel als Patient wird im Studium der Tiermedizin sträflich vernachlässigt. Das ist in den letzten Jahren zwar schon deutlich besser geworden, aber im Grunde weiß man am Ende des Studiums viel zu wenig über den Vogel als Patienten. Das heißt, Du musst als Tierarzt schon für dieses Thema brennen, Dich privat fortbilden und engagieren, wenn Du diese besonderen Tiere richtig behandeln möchtest. Vögel sind in Ihrer Anatomie und Physiologie nicht nur komplett verschieden zu den üblichen Haussäugetieren wie Hund und Katze, sie unterscheiden sich auch massiv von Art zu Art. So hat ein Kakadu einen ganz anderen Anspruch an Fütterung und Haltung, als beispielsweise ein Kanarienvogel. Ein vogelkundiger Tierarzt kann einen erkrankten und gefährdeten Vogel schnell und sicher händeln und somit die Untersuchungs- und Behandlungszeit so kurz wie möglich halten. Einfach durch die tägliche Routine. Dazu kommt das Wissen, welche Medikamente eher schaden, als nützen. Und manch ein Medikament wird von der einen Art sehr gut vertragen, ist aber für eine andere Art vielleicht sogar tödlich. Auch sollte ein Tierarzt, der Vögel behandelt wissen, dass gerade Wurmkuren nur in ganz unterschiedlichen Dosierungen vertragen werden.
Wie bereite ich mich als Vogelbesitzer auf den Besuch beim Tierarzt vor?
Es ist sinnvoll, einige Vorkehrungen zu treffen, bevor der eigene Vogel erkrankt ist. Wenn es soweit ist und jeder weiß, dass es oft unverhofft kommt, dann sollte man vorbereitet sein, denn in der Situation wenn das eigene Tier krank ist hat man für kaum etwas Anderes einen Kopf.
Stellt Euch einen kleinen Transportkäfig, bei größeren Vögeln eignen sich Katzentransportboxen wirklich hervorragend, bereit. Hier drin sollte sich eine Kolbenhirse und etwas normales Körnerfutter befinden. Ein Wassergefäß ist für die kurze Zeit nicht zwingend erforderlich, da das Wasser beim Transport oft nur überschwappt und den Kot auf dem Boden verwässert.
Der Kot ist ein ganz wichtiger Punkt und für eine komplette Untersuchung unersetzlich. Wichtig dafür ist, dass auf dem Käfigboden kein Sand ist. Eine mikroskopische und bakteriologische Kotuntersuchung ist unmöglich, wenn der Kot mit Sand verunreinigt ist. Ich empfehle normales Zeitungspapier oder Küchenrolle. Soll der Kot besonders frisch sein, kann man etwas Frischhaltefolie ausrollen und auf das Zeitungspapier legen.
Nun muss der Vogel in den Käfig.

Dia3 Proventrikulitis

Manche Tiere lassen sich wirklich sehr ungerne anfassen. Die Besitzer haben Angst mit dem Tier zu kommen, da sie befürchten, dass es zu viel an Stress sein könnte. Ich kann Sie da beruhigen. Es ist nur sehr wenig Stress, wenn Sie den Vogel in einem abgedunkelten Zimmer fangen. Das geht sehr gut mit einem Geschirrtuch, wenn Sie befürchten gebissen zu werden. Zögern Sie dabei nicht allzu lange, seien Sie beherzt, das verkürzt die Zeit an Stress. Und auch wenn das sicherlich weder für Sie noch für Ihren Vogel spaßig ist, macht es wirklich Sinn, dies einmal zu üben, wenn der Wellensittich gesund und fit ist und Sie ungestresst sind. Transportieren Sie Ihren Vogel, wenn möglich, zusammen mit einem Partnertier. Dunkeln Sie den Transportkäfig mit einem Handtuch ab. Sollten Sie ein Auto zur Verfügung haben, sorgen Sie dafür, dass es eher schön warm darin ist. Haben Sie kein eigenes Auto und auch keinen netten Nachbarn der Sie fahren kann, ist es ratsam ein Taxi zu nehmen. Auch hier macht es Sinn, im Vorfeld zu klären, welches Unternehmen bereit ist, Tiere zu transportieren.
Melden Sie sich immer vorab telefonisch beim Tierarzt an. Gerade in Gemeinschaftspraxen ist nicht immer ein vogelkundiger Tierarzt vor Ort. Und suchen Sie sich einen Tierarzt, der auch eine Notfallnummer hat für die Nächte und die Wochenenden.
Versuchen Sie bereits im Vorfeld in wenigen knappen Sätzen zu schildern, was Ihrem Tier fehlt. Wie lange die Erkrankung andauert. Ob nur ein Tier, oder mehrere betroffen sind. Auch möchte Ihr Tierarzt wissen, wie Sie den Vogel halten, einzeln, als Paar, oder in einer Gruppe. Und natürlich spielt die Ernährung ebenfalls eine große Rolle.
Es ist absolut sinnvoll und wird von wirklich interessierten Tierärzten gerne gesehen, wenn Sie Fotos mitbringen auf denen Ihr Vogelzimmer, Ihre Voliere oder der Käfig zu Hause zu sehen ist. Auch Futterproben können Sie gerne mitbringen, manchmal geben sie hilfreichen Aufschluss.
Auch ein kurzes Video, auf dem Beispielsweise Atemwegssymptome, oder andere seltsame Verhaltensweisen zu sehen sind, ist oft eine große Hilfe. Vögel verbergen es ja leider sehr gerne, wenn es Ihnen schlecht geht. Und gerade beim Tierarzt sind viele Symptome oftmals nicht ersichtlich.
Erschrecken Sie nicht, wenn der Tierarzt den Vogel recht beherzt aus dem Käfig fängt. Eine Untersuchung, ohne den Vogel anzufassen, ist nicht nur unmöglich, sondern auch schlechte Praxis.
Begleiten Sie Ihren Vogel nicht mit zum Blutabnehmen, oder zum Röntgen. Sie sind aufgeregt und das überträgt sich nicht nur auf das Tier, sondern auch auf Ihren Tierarzt. Auch sind die Abläufe wesentlich flüssiger, wenn einem Niemand im Weg steht – das kann ich so aus eigener Erfahrung sagen.
Ein Vogel sollte auch bei jedem Besuch gewogen werden. Das rate ich Ihnen auch zu Hause. Wiegen Sie Ihre Vögel mindestens einmal die Woche und führen Sie ein Wiegetagebuch. Bemerken Sie einen starken Gewichtsverlust, ist dies ein Anzeichen für eine Erkrankung, auch wenn Ihr Vogel noch keine anderen Anzeichen zeigt.
Schreiben Sie sich im Vorfeld alle Fragen auf, die Sie haben. Wenn man erst einmal aufgeregt in der Praxis steht, verliert man manchmal den Faden. Ein guter Tierarzt nimmt sich dafür gerne Zeit.
Sollte der Tierarzt Ihnen am Ende des Besuchs ein Medikament mitgeben, lassen Sie sich ganz genau und gegebenenfalls auch mehrfach zeigen, wie es eingegeben wird. Üben Sie es zusammen mit dem Tierarzt. Ich nehme mir immer viel Zeit dafür, damit es zu Hause auch klappt. Das ist eines der häufigsten Probleme, die ich in der alltäglichen Praxis sehe, dass es mit der Medikamenteneingabe zu Hause nicht klappen will.
Ich hoffe sehr, dass dieser Text einige Unklarheiten und Ängste beseitigen konnte.

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